Asian Village

Asian Village (23. und 24.5.2009)

Bestehende neokoloniale Verhältnisse führen dazu, dass in der zeitgenössischen Kunst und Musik das Schaffen von asiatischen AkteurInnen in Europa noch immer unterrepräsentiert ist. Vor allem  asiatische  advanced Pop-Produktionen sind hierzulande kaum bekannt, obwohl es in diesem großen Kontinent viele florierende Szenen gibt.
Im Rahmen des “Into the City” Programms der Wiener Festwochen wurden über 20 MusikerInnen und KünstlerInnen aus asiatischen Ländern wie China, Indonesien, Indien, Japan, Malaysia, Russland, Singapur, Taiwan, Thailand und Vietnam und aus Europa eingeladen. Gemeinsam mit zahlreichen österreichischen KünstlerInnen wurde das Viertel um die Lehrargasse/Gumpendorferstrasse im 6. Wiener Gemeindebezirk in ein asiatisches „Dorf“ umgewandelt. Präsentiert wurden in den Räumlichkeiten der Akademie der bildenden Künste, IG bildende Kunst, Top Kino und einigen Lokalen und Geschäften Arbeiten zwischen Pop und Kunst, u.a. von dem bekannten indonesischen Künstler Heri Dono oder dem japanischen Technikfreak Daito Manabe. Während Heri Dono mit sehr einfachen Mitteln, wie z.B. mit Fahrrädern, in seiner Installation „Animal Journey“ Kritik an dem rücksichtslosen Umgang gegenüber der Umwelt und den Geschöpfen der Natur übte, zeigte Daito Manabe, wie man mittels Interfaces und Sensoren einen Technobeat in Gesichtsmimik umwandeln kann. In dem Stück Quiesce von dem aus Singapur kommenden Sonicbrat, das er gemeinsam mit Lim Chin Huat und Lim Woan Wen inszenierte, waren deren Interpretation des Begriffs der Liminalität zu sehen. Aber auch zahlreiche AkteurInnen der südost- und zentralasiatischen Techno- und Club-Kultur waren vertreten, wie Tri Minh aus Vietnam, Nannue Tipitier aus Thailand oder die aus Russland kommenden MusikerInnen Belki, Park Modern und viele andere.

Bei dem Projekt ging es auch darum zu zeigen, wie „asiatisch“ Wien ist, weshalb auch zahlreiche hier lebende KünstlerInnen mit dieser Herkunft präsentiert wurden, wie z.B. der in Wien lebende Künstler Jun Yang oder Elsa Okazaki. Es wurden aber auch künstlerische Zusammenarbeiten zwischen den Kontinenten initiiert, wie beispielsweise mit dem aus Vietnam kommenden Künstler Tri Minh und der in Wien lebenden KünstlerInnen Elisabeth Penker und Tran Vu Van Anh, die gemeinsam ein Stück erarbeiteten.

In vielen asiatischen Ländern spielt sich ein Großteil des Lebens auf der Straße ab, die dort unter anderem als Ort zum Kommunizieren, Kochen, Essen, Schlafen, Haare schneiden verwendet wird. Aus diesem Grund fanden auch eine Vielzahl der Asian Village Projekte auf der Straße statt, wo man nicht nur Musikhören konnte, sondern auch asiatisches Essen in aufgebauten Straßenküchen genießen konnte. Durch Einbezug der verschiedenen asiatischen Communities in Wien- beispielsweise bereiteten diese auch die Speisen der Straßenküchen zu und traten mit dem Gamelanorchestra auf – kam es zu intendierten Begegnungen von Menschen verschiedenster Herkunft und kultureller Vorlieben. In einem Möbelgeschäft wurde beispielweise gratis Thaimassage angeboten, wie auch konnte man sich von einem chinesischen Frisör die Haare schneiden lassen.
Aufgrund der unterschiedlichen kulturellen Angebote –zwischen Hochkultur und Alltagskultur – hatte das Projekt Festcharakter, mit einer Mischung aus Kunstevent und Volksfest, wobei  das Essen als eine Art sozialer Kitt fungierte. Ebenfalls gab es eine Diskussion zum Thema junge asiatische Kunst- und Musikszene sowie eine Filmreihe, die von Constanze Ruhm zusammengestellt wurde.
Co-Kurator: Wolfgang Schlag und Franz Pomassl

MusikerInnen: Sonicbrat (Singapur), Nannue Tipitier (Thailand), Kyoka (Japan/Deutschland),Stereotyp + Cee (Österreich) AraByrd (Malaysia), Tri Minh & DJ Kruise (Vietnam), Nuphlo (Indien/UK), Coconami feat. Ferdl Schuster (Straubing) Klangküche (Österreich), DJ Ramija (Österreich), Hans Kulisch (Österreich), ANTIPHoDES (Russland), Park Modern (Russland), Ganzha (Kasachstan),Belki aka Mariya Aleynikova und Denis Yashin (Russland) Albert Rivkin (Russland) Pinie Wang (China/Österreich), Elsa Okazaki (Frankreich/Japan), Daito Manabe (Japan) u.a.
Bildende KünstlerInnen: Heri Dono (Indonesien), 8GG (China), Daito Manabe (Japan), Jun Yang (China/
Österreich), Elisabeth Penker (Österreich) Constanze Ruhm (Österreich), Susanne Rogenhofer (Österreich) u.a.

Projekt fand in Kooperation mit Akademie der bildenden Künste, Asia Europe Fondation stat

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