Chestnut Music

Susi Rogenhofer bringt Kastanienbäume zum Musizieren: Im September, wenn die Kastanien reif sind und vom Baum fallen, wird dieser Prozess der Natur künstlerisch thematisiert. Die Kastanien fallen dabei auf am Baum hängende Orchesterschalen, die chromatisch gestimmt sind. Aufgrund der zahlreichen Partialtöne, die mit einem einzigen Schlag miterklingen, können verschiedenste Töne in unterschiedlichen Tonlagen erzeugt werden. Dank des langen Nachhalls, den die Klangkörper aufweisen, überlagern sich die Töne, und eine Vielzahl an musikalischen Variationen können sich formieren, deren Ergebnis unvorhersehbar ist. Es entstehen Zufallskompositionen in eigentümlichen Rhythmen, die einzig durch die Natur bestimmt werden.

Die Gestaltungen der Natur treten hier mit dem Schöpferischen des Menschen in Symbiose. Prozesse der Natur, wie das Fallen der reifen Früchte, werden in Klangkunst transferiert und sinnlich erlebbar gemacht. Susi Rogenhofer´s Intention ist es, die Abläufe der Natur erkennbar, hörbar und vermittelbar zu machen. Sie soll die Besucher*innen für Phänomene der Natur bzw. Natur im Allgemeinen sensibilisieren und Kritik an der kontinuierlich stattfindenden Naturzerstörung üben.

Die Orchesterschalen wurden in der seit über 400 Jahren bestehenden Glockengießerei Grassmayr, die in Innsbruck ansässig ist, speziell entwickelt und sind dem Klang von Glocken sehr ähnlich. 
Glocken werden in der Kulturgeschichte die Fähigkeit zugeschrieben, den Himmel bzw. den Kosmos mit der Erde zu verbinden, auch strukturieren diese im christlichen Kontext den Tag und das Jahr oder erschallen bei verschiedenen Anlässen, wie früher beispielsweise bei drohendem Unwetter. Hier ist der Wandel der Jahreszeiten der Anlass, dass die Klangkörper erklingen. Der glockenähnliche Klang verleiht diesem Ereignis eine spirituelle Dimension. Das Werk soll zur inneren Einhalt aufrufen und einen temporären Ausstieg aus der technisierten, rationalisierten Welt, die sich immer mehr von der Natur entfernt, bieten.

Bedrängende Umweltprobleme und die Klimakrise haben die Bereitschaft der Gesellschaft, die Natur zu schützen, in den letzten Jahren verstärkt. Das zeigt sich u.a. in der Fridays for Future Bewegung. Dennoch ist klar, dass der Klimawandel und die Umweltzerstörung voll im Gange sind. Der weltweite Raubbau an der Natur geht auch mit einem Beziehungsverlust zu dieser einher. Dieses Projekt möchte Menschen für Phänomene und Zyklen der Natur in einer technologisierten Gegenwart sensibilisieren und Kritik an der Zerstörung der Natur üben.
Diese Arbeit im öffentlichen Raum verfolgt das Ziel, mit den Mitteln der Kunst ökologisches Bewusstsein zu fördern.
Durch das Hören und Beobachten des Fallens der Kastanien, soll dieses Bewusstsein geschärft und intensiviert werden.

Die Klangschalen wurden von der Firma Grassmayr aus Innsbruck hergestellt. Die renommierte Glockengießerei, die es seit 1599 gibt, hat auch die Glocken für die St. Paul Kirche in Krems angefertigt.

Förderer: Kulturamt Krems, kremskultur und Land Niederösterreich (public art)
Sponsor: Firma Grassmayr